Call for Papers 2021


Thema der diesjährigen Sommerakademie ist das Leben. Das Leben, ausgehend von seinen Grenzen, in räumlicher und zeitlicher Dimension. Räumlich, von der Mikroebene, der kleinsten Zelle, bis hin zur vielleicht unendlichen Ausdehnung des Universums. Zeitlich, von seinem Anfang bis zu seinem Ende in der Zeit. Sowohl das Leben der Welt als Ganzes, als auch jedes einzelnen Lebewesens innerhalb dieser Welt und deren Beziehungen zueinander, können dabei Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung sein. Die Dimensionen vom „Leben (in) der Welt“, können hierbei einerseits in ihrem ökologischen Kontext untersucht werden, andererseits können die hierarchischen Strukturen, welche besonders in der Relation der Lebewesen untereinander und in Bezug auf ihre Umwelt greifbar werden, im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stehen. Dazu gehört auch die Frage wann von Leben gesprochen werden kann, ob „künstliches Leben“ (Artificial Life) überhaupt möglich ist und welche Kriterien für Leben sich aus der Beantwortung dieser Fragen ergeben.

Der Mensch steht dabei in doppelter Hinsicht in einer herausgehobenen Stellung. Zum einen als das einzige Lebewesen, welches zur Reflexion über sein eigenes Leben fähig ist, zum anderen als das Wesen, das sich selbst aktiv einen Wert in der Welt zuschreibt und diesen durchzusetzen versucht. Denkbar wären für diesen Themenkomplex Beiträge aus den Disziplinen Biologie, Ökologie, Physik, Astrophysik, Philosophie, Geschichte, Chemie, Künstliche Intelligenz, Technik oder Klimaforschung. Neben der naturwissenschaftlich-philosophischen Komponente des „Lebens (in) der Welt“ eröffnet sich eine moralisch-anthropologische Perspektive auf das Thema. Welche moralischen Konsequenzen ergeben sich aus der Endlichkeit und den Grenzen des Lebens? Inwiefern sind dem Menschen, etwa durch seine Abhängigkeit vom Leben des Regenwaldes, des Meeres, der Arktik und anderer Naturentitäten, Grenzen gesetzt? Die Fähigkeit des Menschen diese zu übertreten und zu kontrollieren, bringt die philosophisch-moralischen Fragen nach dem verantwortbaren Einsatz dieser Fähigkeiten mit sich.

Diese Fragen stellen sich bei jeder Form der Anwendung technischer Mittel auf natürliche Ressourcen, die dem Menschen zur Verfügung stehen. Beispiele dafür ließen sich etwa in der Medizin, der Genetik, der Energiegewinnung oder den technischen Transportmöglichkeiten finden. Wer legt die Grenzen rechtlich fest und wer garantiert ihre Einhaltung? Ausgangspunkt dieser Fragen kann sein, dass die Natur von einer Vernunft (ratio) durchdrungen ist, die www.fi-akademie.de nicht nur einen empirisch naturwissenschaftlichen Zugang zu ihr ermöglicht, sondern immer auch die Frage enthält, ob aus dieser vernünftigen Ordnung der Natur auch eine Konsequenz für die soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung des menschlichen Lebens entspringt. Denkbar wären für diesen Themenkomplex Beiträge aus den Kategorien Medizin, Technik, Recht, Rechtsphilosophie, Moraltheologie, Wirtschaft, Politik oder empirische Sozialforschung. Und schließlich ist die Endlichkeit des „Lebens (in) der Welt“ auch als eine Kraft zu betrachten, die das menschliche Leben psychisch, philosophisch und religiös so sehr beeinflusst wie kaum eine andere Tatsache. Nicht zuletzt die weltweite Pandemie hat im letzten Jahr viele Menschen mit der Tatsache ihrer Endlichkeit neu konfrontiert.

Die Auswirkungen dieser Spannung finden ihren historischen und gesellschaftlichen Ausdruck in der Kunst, der Musik, in gesellschaftlichen und politischen Ordnungen, in der Memorialkultur, aber auch in den sozialen Verhältnissen der Menschen untereinander. Überdies ergibt sich aus der christlich-teleologischen Vorstellung der Welt als etwas Endlichem im Kontrast zur Vorstellung des unendlichen Lebens im Gottesreich eine Spannung, die das Leben in christlichen Kultursphären geprägt hat und immer noch prägt. Gerade im benediktinischen Mönchtum wird eine mögliche Antwort auf diese Frage in einer besonderen Form regulierten Lebens gegeben. Denkbar wären für diesen Themenkomplex Beiträge aus den Kategorien Geschichte, Soziologie, Erziehungswissenschaften, Kunstgeschichte, Philosophie, Archäologie, Psychologie, Anthropologie oder Theologie.

Die eingereichten Projekte sollten einen nachvollziehbaren Bezug zum Leitthema der Tagung enthalten. Dabei spielt die Methodik, der spezifische Ansatz der Disziplin und der Grad der theoretischen Beschäftigung mit dem Thema keine Rolle – es wird explizit dazu eingeladen, das Thema von naturwissenschaftlicher und technischer Perspektive zu beleuchten. Die Vorträge können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden. Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmer aus unterschiedlichsten Disziplinen kommen. Unter Umständen notwendige Informationen zu ihrem Thema können im Vorhinein an die Teilnehmer verschickt werden. Voraussetzung für eine Bewerbung als Referent, ist eine bereits begonnene, laufende oder gerade fertiggestellte Promotion. In besonderen Fällen kann auch eine Bewerbung eines Masterstudenten mit Ausblick auf ein Promotionsprojekt berücksichtigt werden. Bewerbungsverfahren für Referenten: Vortragsvorschläge (Abstract max. 300 Worte) und ein tabellarischer Lebenslauf sollen bis spätestens 20. Juni 2021 an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! geschickt werden.

Die Teilnahme an der Sommerakademie wird durch Spenden finanziert und ist somit für die Teilnehmer kostenlos. An- und Abreise werden von den Teilnehmern selbst finanziert.

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