Akademie 2022


Beginn

Mittwoch, der 24. August 2022, Anreise bis 17:00 Uhr

Ende

Sonntag, der 28. August 2020, 13 Uhr

Unterbringung

Vollpension, Einzelzimmer in der Abtei Ottobeuren

Teilnehmer

8-10 Teilnehmer 

Externe Referenten

Werden noch bekannt gegeben

Geistliche Leitung

P. Winfried Schwab OSB

Wissenschaftliche Leitung

Thomas Kieslinger, Reinhild E. Bues

Sprache

Deutsch und Englisch

Thema
Mensch und Technik

Die für August 2022 geplante Sommerakademie will einen umfassenden und wissenschaftlich interdisziplinären Dialog zur wechselvollen Beziehung zwischen Mensch und Technik anstoßen. Aus unterschiedlichen Perspektiven sollen die Dimensionen diskutiert werden, innerhalb derer die beiden Leitbegriffe Mensch und Technik miteinander in Berührung kommen. Die bewusste Breite des Themas ermöglicht es Dissertanten aus allen universitären Disziplinen einen individuellen Zugang zu dem Thema zu finden.

Zum Menschsein gehört die Bewältigung natürlicher wie sozialer Herausforderungen durch technische Mittel. Dabei ist das Spektrum technischer Möglichkeiten historisch kaum zu überblicken: Von den Geröllgeräten der Oldowan-Kultur von vor 2,5 Millionen Jahren, bis zum modernen Nano-Computer reicht die menschliche Kreativität und der Wille der Naturbeherrschung. Doch so sehr der Mensch auch auf die Technik angewiesen ist, spätestens seit Beginn der Industrialisierung ist mit der Technik auch untrennbar die Frage nach ihren ethischen, sozialen und ökologischen Folgen verknüpft. Hinzu kommen durch die Entstehung und den Ausbau der digitalen Technik neue, kaum abzuschätzende Chancen und Herausforderungen. Diese reichen von dem Schutz des Privatraumes über die Bedeutung digitaler Identitäten, bis hin zur Künstlichen Intelligenz, die Aspekte des Menschseins zu replizieren versucht.

Die Perspektiven, mit denen man sich den oben genannten, aber auch weiteren Themen nähern kann, sind vielfältig. So stellt etwa der (vermeintliche?) Gegensatz zwischen dem “Mensch” auf der einen Seite und “Technik” auf der anderen Seite eine mögliche Auseinandersetzung mit der darin enthaltenen anthropologischen Anfrage an das “Menschsein” selbst dar. Dies kann aus philosophischer, soziologischer, literarischer oder theologischer Perspektive betrachtet werden. In gleicher Weise eröffnet es die Frage nach der Eigenart und den Grenzen der “Technik”, insbesondere im Sinne von Formen Künstlicher Intelligenz, die als Ziel haben, Aspekte des “Menschseins” zu übernehmen, nachzuahmen oder zu ersetzen. Beiträge aus technischen Fächern, die sich mit KI oder digitaler Innovation beschäftigen sind hier ebenso ausdrücklich erwünscht, wie Referate, welche den generellen Einfluss einer jeden Technik auf den Menschen als agierendes und gestaltendes Lebewesen behandeln. Der Aspekt der Technik als “Nachahmung” der Natur lässt in besonderem Maße Ansätze aus den Naturwissenschaften, etwa aus der Chemie und Biologie, der Medizintechnik, aber beispielsweise auch Ansätze aus der Kunst- und Musikwissenschaft zu. Der Versuch der Technik, sei es in Form einer Maschine, eines Sensors, einer Substanz oder aber eines künstlerischen oder musischen Verfahrens, Gegebenheiten der Natur nachzuahmen und durch “technisierte” Mittel noch zu übertreffen oder zu erweitern, bietet hier ein weites Feld wissenschaftlicher Diskussion.

Fast immer ist mit der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Technik auch eine ethische Fragestellung verknüpft. Wo verlaufen die Grenzen des Erlaubten und des Machbaren? Was darf der Mensch mit der Technik als Instrument anfangen und was sind die ethischen, moralischen und religiösen Paradigmen, die technische Innovationen begrenzen? Und wie ließen sich solche begründen? Wie wurden diese Themenfelder in der Vergangenheit rezipiert und verhandelt? Hierbei können sowohl Beiträge aus dem Bereich der Gentechnik, oder der Medizin, des Maschinenbaus, der Informatik und der Physik, aber auch Ansätze aus dem Bereich der Wirtschaft, insbesondere des Marketings, der Politik- oder Geschichtswissenschaft oder der Moralphilosophie wichtige Impulse für ein neues und nachhaltiges Denken liefern. Angeschlossen an diese Fragestellung sind immer auch juristische Problematiken, die neben den häufig abstrakten Fragen der Moral, die konkreten Verantwortungen rechtlich binden.

Die benediktinische Tradition hat seit dem 7. Jahrhundert den Glauben verkörpert, durch technische Verfahren die Schöpfung Gottes für den Menschen nutzbar zu machen. Technik müsse den Menschen dienen, um die Schöpfung zu bewahren und die Ordnung Gottes zu halten. Die künstlerischen, architektonischen, agrarischen, wirtschaftlichen, pädagogischen oder sozialen Innovationen, die die Benediktiner hervorgebracht haben, wurzeln in der Regula Benedicti. Dort mahnt der Heilige den sinn- und maßvollen Einsatz weltlicher Werkzeuge an. Die persönlichen spirituellen Fragen, die mit dem alltäglichen Gebrauch von Technik verbunden sind, werden daher im geistlichen Teil der Akademie eine zentrale Rolle spielen, wobei ihr die leitende Frage zugrunde liegt, wer wen regiert, der Mensch die Technik oder die Technik den Menschen?